Ursprünge der Baháʼí-Religion und frühe Verfolgung
Die Baháʼí-Religion, gegründet von Baháʼuʼlláh im Persien des 19. Jahrhunderts (1844), entstand aus den Lehren des Báb und proklamiert die Einheit Gottes, die Einheit der Religionen und die Einheit der Menschheit. Diese neue monotheistische Religion, die sich schnell im Iran verbreitete, forderte die traditionellen schiitischen Dogmen heraus und veranlasste umgehend eine harsche Reaktion seitens der klerikalen Elite. Bereits in den 1850er Jahren, lange bevor die Islamische Republik gegründet wurde, setzten Pogrome und Verfolgungen ein, die Tausende Baháʼí das Leben kosteten. Die neue Religion wurde als 'Ketzerbewegung' denunziert, was den Auftakt zu einer über hundertjährigen systematischen Unterdrückung bildete.
Die frühen Jahre der Baháʼí-Gemeinschaft waren von Gewalt und dem Märtyrertod vieler Anhänger geprägt. Der Báb selbst wurde 1850 in Täbris öffentlich hingerichtet, was einen Wendepunkt in der Verfolgung darstellte. Seine Anhänger wurden massakriert, und ihre Gemeinden wurden gewaltsam aufgelöst. Diese Ereignisse schufen ein Klima der Angst und des Hasses, das tief in die iranische Gesellschaft einsickerte und bis heute nachwirkt. Die religiöse Führung des Landes sah in der Baháʼí-Lehre eine Bedrohung für ihre Macht und Autorität, da sie die Notwendigkeit von Priestern in Frage stellte und eine fortschrittliche Soziallehre vertrat.
Die Pahlavi-Ära: Diskriminierung unter säkularem Deckmantel
Obwohl die Pahlavi-Dynastie (1925-1979) eine säkulare Reformagenda verfolgte, bot sie den Baháʼí keinen umfassenden Schutz vor Diskriminierung. Obwohl die explizite staatliche Gewalt abnahm, blieben Baháʼí-Bürger weiterhin marginalisiert. Sie wurden von Regierungsämtern ausgeschlossen, durften keine hohen Bildungseinrichtungen besuchen und mussten die Enteignung ihres Eigentums befürchten. Prominente Fälle wie die Zerstörung des Baháʼí-Heiligtums in Teheran im Jahr 1955, bekannt als das Haus des Báb, zeigten die anhaltende Feindseligkeit. Die Regierung schritt bei solchen Vorfällen oft nicht ein oder duldete sie stillschweigend, um die Unterstützung der schiitischen Geistlichkeit nicht zu verlieren.
In den 1940er und 1950er Jahren nahmen die anti-Baháʼí-Propaganda und die Angriffe wieder zu. Die Veröffentlichung des Buches 'Die Liste der feindlichen Religionen' durch das Informationsministerium der Pahlavi-Regierung trug maßgeblich zur Stigmatisierung bei. Die damals unter der Führung von Premierminister Mohammad Mosaddegh erlassenen Gesetze, die religiöse Minderheiten schützten, wurden selektiv angewendet, wodurch die Baháʼí weiterhin benachteiligt waren. Die soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung, gepaart mit dem Mangel an rechtlichem Schutz, legte den Grundstein für die noch drastischeren Repressionen, die mit der Islamischen Revolution von 1979 einsetzen sollten.
| Zeitraum | Verhaftungen | Hinrichtungen | Haftstrafen (Jahre) |
|---|---|---|---|
| 1979-1983 | ~10.000 | 200+ | N/A |
| 1984-1999 | ~500 | 20+ | N/A |
| 2000-2007 | ~300 | 0 | ~100 |
| 2008-2015 | ~1.000 | 0 | ~1.500 |
| 2016-2022 | ~500 | 0 | ~700 |
Die Islamische Revolution und die Eskalation der Gewalt
Die Islamische Revolution von 1979 markierte eine dramatische Wende für die Baháʼí im Iran. Unter der Führung von Ayatollah Khomeini wurden die Baháʼí systematisch als 'Spione Israels' und 'Feinde des Islam' diffamiert. Das neue Regime setzte daraufhin eine beispiellose Welle der Verfolgung in Gang. Rund 200 prominente Baháʼí-Gemeindemitglieder, darunter Mitglieder der Nationalen Geistigen Räte, wurden hingerichtet oder verschwanden. Tausende wurden verhaftet, gefoltert und inhaftiert. Der Staat konfiszierte ihre Häuser, Geschäfte und religiösen Stätten, oft unter dem Vorwand, dass diese Besitztümer unrechtmäßig erworben worden seien oder dem 'zionistischen Regime' dienten. Amnesty International dokumentierte zahlreiche dieser Fälle und forderte internationale Aufmerksamkeit.
Die Verfolgung erstreckte sich auf alle Lebensbereiche. Baháʼí wurden aus dem öffentlichen Dienst entlassen, ihre Renten gestrichen und ihre Unternehmen geschlossen. Universitäten verweigerten ihnen den Zugang zu höherer Bildung, es sei denn, sie verzichteten öffentlich auf ihren Glauben. Selbst Beerdigungen von Baháʼí wurden gestört, und ihre Friedhöfe wurden entweiht. Ein besonders tragischer Fall war die Hinrichtung von 10 Baháʼí-Frauen in Schiras am 16. Juni 1983, darunter Mona Mahmudnizhad, einer erst 17-jährigen Schülerin, wegen 'Gotteslästerung'. Diese Taten wurden oft von Revolutionsgerichten angeordnet, die keine fairen Verfahrensstandards einhielten, wie Human Rights Watch berichtete. Die Auswirkungen dieser staatlich geförderten Kampagne sind bis heute spürbar.
Die 'Islamische Revolution' im Iran brachte für die Bahai eine Explosion der Gewalt mit sich. Über 200 führende Persönlichkeiten wurden hingerichtet.
Systematische Unterdrückung im 21. Jahrhundert
Auch im 21. Jahrhundert hält die systematische Unterdrückung der Baháʼí im Iran an. Obwohl die Zahl der Hinrichtungen abgenommen hat, sind die Baháʼí weiterhin Opfer einer 'stillen Ermordung', wie von der Baháʼí International Community beschrieben, bei der ihre wirtschaftliche Existenz und ihre sozialen Rechte gezielt zerstört werden. Die Regierung verhindert, dass Baháʼí in bestimmten Berufen arbeiten, entzieht ihnen Geschäftslizenzen und schließt ihre Geschäfte. Im Jahr 2008 wurden die sieben ehemaligen Mitglieder der informellen Führungsgruppe der Baháʼí im Iran, bekannt als 'Yárán' (Freunde), verhaftet und später zu langen Haftstrafen verurteilt, unter anderem wegen 'Spionage' und 'Propaganda gegen die Islamische Republik'.
Dokumente, die im Jahr 2008 von WikiLeaks veröffentlicht wurden, enthüllten ein geheimes Memorandum des Obersten Nationalen Sicherheitsrates von 2006, das die umfassende Diskriminierung der Baháʼí festlegte. Es wies die staatlichen Stellen an, die 'Entwicklung und Ausbreitung' der Baháʼí-Religion zu verhindern und ihre Mitglieder von Universitäten und staatlichen Bildungseinrichtungen auszuschließen. Iran Human Rights (IHR) hat regelmäßig über die fortgesetzten Verhaftungen, die Zerstörung von Baháʼí-Friedhöfen und die Verweigerung grundlegender Rechte berichtet. Die Baháʼí sind weiterhin Gezieltheit von Hassreden in staatlich kontrollierten Medien und müssen oft ohne Rechtsbeistand vor Gericht erscheinen.
Im Jahre 2013 wurde eine neue Welle von Repressionen gegen Baháʼí-Geschäfte beobachtet, da staatliche Stellen die Schließung von Geschäften an religiösen Feiertagen, die nicht im staatlichen Kalender stehen, als Vorwand nutzten, um ihre Lizenzen zu entziehen und sie zu versiegeln. Dies führt zu massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten und zwingt viele Baháʼí, das Land zu verlassen. Die Boroumand Center dokumentiert weiterhin detailliert die Fälle von willkürlichen Verhaftungen und unfairen Gerichtsverfahren gegen Baháʼí im ganzen Land.
Bildungsdiskriminierung und gesellschaftliche Ausgrenzung
Ein besonders gravierender Aspekt der Verfolgung ist der systematische Ausschluss von Baháʼí von Bildungseinrichtungen. Seit der Revolution von 1979 ist es Baháʼí-Studenten praktisch unmöglich, staatliche Universitäten zu besuchen. Viele, die es dennoch versuchen, werden während des Registrierungsprozesses aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit identifiziert und abgewiesen oder exmatrikuliert. Tausende junge Baháʼí haben durch diese Politik ihre Bildungs- und Karrieremöglichkeiten verloren und sind gezwungen, im Ausland zu studieren oder inoffizielle Bildungseinrichtungen zu besuchen, die vom Regime als illegal eingestuft werden.
Als Reaktion auf diesen Bildungsboykott gründeten die Baháʼí in den 1980er Jahren das Baháʼí Institute for Higher Education (BIHE). Diese informelle Universität, die Lehrkräfte und Studenten auf freiwilliger Basis zusammenbringt, bietet höhere Bildung an und ermöglicht es jungen Baháʼí, trotz staatlicher Repression einen akademischen Abschluss zu erwerben. Der Iran stufte das BIHE jedoch als illegal ein und hat wiederholt Professoren und Studenten verhaftet, Räumlichkeiten geschlossen und Material beschlagnahmt. Dennoch hält das BIHE seinen Betrieb unter schwierigen Bedingungen aufrecht, was den immensen Wert von Bildung für die Baháʼí-Gemeinschaft unterstreicht, wie von IranWire ausführlich dokumentiert wurde.
Internationale Reaktionen und Appelle
Die internationale Gemeinschaft hat die Verfolgung der Baháʼí im Iran wiederholt verurteilt. Die Vereinten Nationen haben in zahlreichen Resolutionen die iranische Regierung aufgefordert, die Diskriminierung einzustellen und die Menschenrechte der Baháʼí zu respektieren. Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für die Menschenrechtssituation im Iran haben ebenfalls detaillierte Berichte vorgelegt, die die systematische Verfolgung dokumentieren und anprangern. Länder wie die USA, Kanada und mehrere EU-Mitgliedstaaten haben ebenfalls öffentlich ihre Besorgnis geäußert und Sanktionen gegen iranische Beamte verhängt, die an der Unterdrückung beteiligt sind.
Trotz dieser internationalen Appelle und Verurteilungen zeigt die iranische Regierung wenig Bereitschaft zur Änderung ihrer Politik. Behauptungen, die Baháʼí seien eine 'politische Sekte', die mit ausländischen Feinden kollaboriere, werden weiterhin verwendet, um die Repressionen zu rechtfertigen. Organisationen wie die Baháʼí International Community haben eine breite Kampagne zur Sensibilisierung gestartet und fordern die internationale Staatengemeinschaft auf, den Druck auf den Iran zu erhöhen. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte hat wiederholt die Freilassung inhaftierter Baháʼí und die Beendigung aller Diskriminierungsmaßnahmen gefordert, aber substanzielle Fortschritte bleiben, wie Reuters und BBC berichten, weitgehend aus.
Zukünftige Aussichten und Widerstandskraft
Die Zukunft der Baháʼí im Iran bleibt ungewiss, doch ihre Widerstandsfähigkeit ist bemerkenswert. Trotz der jahrzehntelangen Verfolgung und der massiven Einschränkung ihrer Bürgerrechte haben sie ihren Glauben bewahrt und sich für ihre Rechte eingesetzt, oft unter Gefahr für ihr Leben. Sie bleiben ein Symbol für friedlichen Widerstand gegen religiöse Intoleranz und staatliche Unterdrückung. Die Baháʼí-Gemeinschaft im Iran ist weiterhin entschlossen, ihre Identität zu bewahren und die Prinzipien der Einheit und des friedlichen Zusammenlebens, die ihren Glauben ausmachen, zu leben, auch wenn die Herausforderungen enorm bleiben.
Ein Hoffnungsschimmer mag in der zunehmenden globalen Vernetzung und dem Bewusstsein für die Baháʼí-Situation liegen, die es ermöglicht, unrechtmäßiges Handeln der iranischen Regierung schneller aufzudecken. Während die Regierung weiterhin eine harte Linie fährt, wächst der internationale Druck, die Menschenrechtslage zu verbessern. Ein wirklicher Wandel wird jedoch erst eintreten, wenn das iranische Regime die Rechte aller seiner Bürger, unabhängig von ihrer Religion, respektiert. Die Baháʼí hoffen weiterhin auf einen Tag, an dem sie als vollwertige Bürger in ihrer Heimat anerkannt werden und ihre Religion frei und offen ausüben können, ein Schicksal, das durch die Geschichte und die Beharrlichkeit der Gemeinschaft geprägt ist.
Sources
- Iran: Baha'is targeted for their faith
- World Report 2023: Iran
- Iran Human Rights Documentation Center: A Faith Denied – The Persecution of the Baha'is of Iran
- The Baháʼís of Iran: An Annotated Bibliography of the Human Rights Situation
- Reuters: Iran closes businesses of Baha'i minority over religious observance
- BBC News: Iran's Baha'i 'still being persecuted'
- Boroumand Center for Human Rights in Iran: Baha'i Faith
